Nach vier Hafentagen direkt hintereinander sind wir froh, jetzt einige Seetage zum Erholen zu haben. Da wir heute nicht früh aufstehen mussten, gingen wir gestern zur Show. Es spielte E. Sarah Carter, die irische Foklore auf der Violine in witziger Art und Weise präsentierte. Danach ging es noch zum Pubquiz mit dem schlechtesten Ergebnis, das wir jemals hatten. Selbst die Sieger hatten nur 6 von 12 Fragen und die Bonusfrage richtig.
Heute Nachmittag habe ich die Verhältnisse im Go wieder gerade gerückt: Ich gewann nacheinander Vorgabepartien mit vier, fünf und sechs Steinen. Dörte bestand darauf, auch noch eine weitere Partie mit sieben Vorgabesteinen zu spielen. Die ging dann nach hartem Kampf unentschieden aus. also wird es morgen erneut eine Partie mit sieben Vorgabesteinen geben.
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| Dörte: "Ich will spielen!" |
Vorher hatte ich mir vier Vorträge angehört. Es begann mit einer Hafen-Präsentation für Port Louis auf Mauritius. Normalerweise gucke ich mir die Hafenpräsentationen auf dem Kabinenfernseher an, aber für Penang wurde sie dort nicht zur Verfügung gestellt. Insgesamt macht es auf dem Schiff den Eindruck, als ob viel Personal gewechselt hat und einige Abläufe erst noch eingeübt werden müssen. Ich habe jetzt eine erste Vorstellung davon, was uns in sechs Tagen erwartet.
Der zweite Vortrag wurde von Sam Cox, dem Leiter der Kunstgalerie an Bord, gehalten. Er erzählte über berühmte Kunstdiebstähle und das war sehr unterhaltend. Er berichtete unter anderem vom größten Kunstdieb aller Zeiten, Stéphane Breitwieser, der insgesamt 239 Kunstwerke aus 172 Museen gestohlen hat. Oder davon, wie eine ausgelobte Belohnung von 2 Millionen m&m bei der Wiederbeschaffung des gestohlenen Bildes "Der Schrei" geholfen hat. Zum Schluss warnte er uns, dass in seiner Galerie an Bord Kameras installiert seien und er uns jetzt ja alle kennen würde ...
Der dritte Vortrag war von Flugkapitän Rigby über das verschollene Flugzeug MH370. Darüber gibt es eine Netflix-Dokumentation mit mehreren Folgen, die ich mir vor ein paar Monaten angesehen hatte. Wirklich aufklären konnte Kapitän Rigby das Geheimnis natürlich auch nicht. Er gab aber einige Einschätzungen ab, z. B. dass die Ermittlung der potentiellen Flugkorridore über den Doppler-Effekt einfach keinen Beweiswert hätte, das Flugzeug hätte überall sein können. Die Funde angeschwemmter Trümmerteile hält er möglicherweise für fingiert und fragte sich, wer Interesse daran haben könne. Besonders verdächtig sei eine fehlende Seriennummer an einem großen Trümmerteil. Aus seiner Sicht ist die wahrscheinlichste Möglichkeit, dass das Flugzeug aus irgendeinem Grund, z. B. wegen eines Feuers an Bord, umgekehrt ist, um so schnell wie möglich zu landen. Es war Nacht und bei gestörter Kommunikation kann ein solches Flugzeug versehentlich als Angreifer betrachtet werden. Er hält es für möglich, dass die malayische Flugabwehr das Flugzeug abgeschossen hat, man dies aber aus politischen Gründen nicht zugeben will. Aber auch das ist spekuliert, er hofft darauf, dass es noch einmal eine richtige Aufklärung gibt.
Der letzte Vortrag war von Wolfgang Lechner, einem Journalisten bei der Zeit. Er stellte Seemannslieder mit Musik- und Textbeispielen vor und beschäftigte sich damit, was sie uns über die Sehnsucht nach dem Meer und das Leben an Bord erzählen. Er begann mit der Version von La Paloma von Hans Albers im Film Große Freiheit Nr. 7 von 1944. Unter anderem wegen diverser Textstellen in La Paloma (siehe Bild) wurde die Aufführung des Films in Nazi-Deutschland verboten.
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| Diese Stellen haben der Zensur nicht gefallen ... |
Zu La Paloma wurde noch berichtet, dass Kaiser Maximilian I. von Mexiko von einer Ursprungsversion von La Paloma so begeistert gewesen sei, dass er darum gebeten habe, dieses Stück vor seiner Erschießung noch einmal hören zu dürfen. Ob der Wunsch erfüllt wurde, ist nicht bekannt. Das Lied wurde aber bei der Ausschiffung seines Leichnams in Triest gespielt und dies sollte die letzte Aufführung dieses Liedes auf einem österreichischen Schiff gewesen sein. Angeblich hält man sich heute noch daran.
La Paloma ist eine Habanera, eine Musikform aus dem 19. Jahrhundert aus Kuba. Ein weiteres Beispiel ist die Arie Habanera aus Carmen. Neben den Habaneras wurden noch Shanties zum Arbeiten (gemeinsam Ziehen und Drücken) und Shanties für die Freizeit (Homeward Bound etc.) vorgestellt.
Anmerkungen von Dörte:
Fast hätte ich heute die Stickerei fertig gehabt - wenn ich mich nicht verzählt hätte. Also alles wieder aufgemacht. Zusammen mit drei verlorenen Partien also ein klein wenig deprimierend. Naja, wir haben noch mehr Seetage.
Technische Anmerkungen:
Seit heute sind wir mit der Uhrzeit auf GMT+7, also Deutschland nur noch 6 Stunden voraus.


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