Heute sah das Meer merkwürdig aus, es war ruhig und überhaupt nicht durch den Wind aufgewühlt. Trotzdem gab es leichte Schiffsbewegungen durch eine langwellige Dünung. Der Kapitän erklärte das in seiner Mittagsbotschaft: Wir befinden uns in der innertropischen Konvergenzzone, einem Wolkenband rund um den Globus in Äquatornähe, wo die Passatwinde aufeinandertreffen. Diese Zone zeichnet sich durch lange Phasen von Windstille aus - die Segelschiffe haben sie früher gefürchtet. Ihnen drohte bei zu lang andauernder Windstille, dass der Proviant ausgeht. Gleichzeitig ist es extrem schwül, weil die Luft das Wasser aufnimmt. So viel wie heute habe ich auf der ganzen Reise noch nicht geschwitzt, obwohl es nur 29 Grad warm ist. Es soll auch plötzlich auftretende heftige Gewitter geben - davon sind wir bisher verschont geblieben.
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Spiegelglatte See |
Gestern Abend wurde eine Show gezeigt, die wir in Australien schon gesehen hatten. Wir haben daher stattdessen bei der Übertragung des Viertelfinals des englischen Fußball-Pokals zwischen Bournemouth und Manchester City zugesehen. Das war quasi vor unserer Kabinentür, auf der Großleinwand beim Swimmingpool.
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| Fußball gucken auf dem Pooldeck |
Heute habe ich mir nur den Vortrag von Flugkapitän Rigby angehört. Diesmal ging es um die Abstürze der Boeing 737-MAX und die Ursachen und Hintergründe. Dass für diese Unglücke niemand juristisch zur Rechenschaft gezogen wurde, ist ein echter Skandal. Boeing baute ein Maneuvering Characteristics Augmentation System (kurz: MCAS) in diese Maschinen ein. Die neuen und leistungsfähigeren Turbinen, die auch im Airbus NEO verbaut wurden, waren für die Montage unter dem Flügel bei einer Boeing 737 zu groß im Durchmesser. Deshalb wurden sie etwas vorgezogen und leicht erhöht an die Flügel gesetzt. Im Windkanal stellte man dann fest, dass bei einem zu steilen Anstellwinkel die Strömungen über der Turbine abreißen konnten, weshalb zur Vermeidung dieser Situation das MCAS eingebaut wurde. Das Problem war, dass man es weder der Aufsichtsbehörde FAA vorstellte noch in die Schulungen und Dokumentationen für die Piloten aufnahm. Das Argument sollte bestehen bleiben, dass man Piloten für die 737-MAX nicht umschulen müsse. Boeing wusste davon, dass es Probleme geben könnte, aber das Management blieb bei der Richtlinie, kein Wort von MCAS zu sagen! Und zum allergrößten Problem wurde es dann, dass das MCAS selbst schlecht konzipiert war: Es stützte sich nur auf die Messdaten eines einzigen Sensors und es hörte nicht auf, die Nase des Flugzeugs nach unten zu drücken, auch wenn der Pilot eingriff.
Dass die Piloten keine Chance hatten, erklärte uns Kapitän Rigby mit einem Experiment: Wir sollten den Sessel des vor uns sitzenden Zuschauers an der Lehne heftig durchschütteln, während auf dem Bildschirm Fehlersignale aufliefen und der Vortragende die Vielfalt an gleichzeitig eintreffenden akustischen Warnsignale nachmachte. Dabei sollten wir alle von 100 bis Null rückwärtszählen. Das hat keiner geschafft …
Anmerkungen von Dörte:
Zuerst aufgefallen sind mir kleine Kreise auf dem spiegelglatten Wasser. Hab dann genauer hingesehen und es waren fliegende Fische. Mein Eindruck war, dass sie teilweise wie Flummis wieder abgehoben haben. Ich hab immer gedacht, die springen halt so aus dem Wasser und fallen zurück - aber das sind echte Strecken, die sie zurücklegen können. War toll anzusehen.
Technische Anmerkungen:
Morgen sind wir mit der Zeitzone auf GMT+5. Durch die Umstellung auf Sommerzeit in Deutschland ist es dann hier nur noch drei Stunden später.




















