Dienstag, 22. April 2025

Cocktails mal anders

Gestern Abend hat sich unser gesamter Tisch beim Abendessen ausgeklinkt, wir hatten schon genug Gala-Abende. Dörte und ich mussten uns aber trotzdem fein anziehen, denn wir hatten erstmalig eine Veranstaltung in der Bright Lights Society gebucht. Das ist so eine Art Club mit kleiner Bühne und nur etwa 50 Sitzplätzen, deshalb muss man seine Teilnahme an einer Veranstaltung vorab buchen. Die Uhrzeiten sind meist so, dass es mit unseren Tischzeiten nicht so gut passt, deshalb haben wir diesen Raum bisher etwas links liegen gelassen. Die Veranstaltung hieß "Bitter Sweet Symphony" und versprach, dass der Geschmack von drei Cocktails durch optische, akustische und musikalische Reize modifiziert würde. Die Cocktails waren inbegriffen, dafür zahlten wir dann jeweils 46 US-Dollar.

Ankündigung zum Cocktailabend

Begrüßt wurden wir von Dr. Gusto in einem pinken Anzug, der uns mit den Begriffen crossmodal correspondence und neurogastronomy vertraut machte. Wir würden in drei Welten geführt werden und dürften die jeweils dazu servierten Cocktails nur genau nach Anweisung zu uns nehmen. 

Dr. Gusto, Moderator und Leiter des Experiments

Die erste Welt war pink, süß und voller Cupcakes. Der Cocktail dazu war mit eßbarer Zuckerwatte verziert und durfte erst zusammen mit einem nachgereichten Cupcake genossen werden. Lecker und mit Cupcake dazu noch leckerer.

Lady Cupcake singt

Die zweite Welt war dunkel mit Lichtblitzen zu klassischer Pianomusik. Dazu gab es eine gute Rum-Mischung, einen Cocktailshaker mit stark kondensiertem Espresso, Eiswürfel und eine kleine Dose mit Schokobohnen. Leider war der Cocktailshaker nicht dicht und ich bekleckerte mich heftig. Der Rum schmeckte alleine sehr gut, mit Espresso und Eiswürfeln fand ich es furchtbar. Dann hab ich's auch noch falsch verstanden: Ich habe alle Schokobohnen in den Cocktail getan, aber sie haben sich nicht aufgelöst. Es schmeckte immer noch furchtbar und jetzt sah es auch furchtbar aus. Die anderen Gäste haben die Schobohnen zum Cocktail gegessen, das soll besser gewesen sein.

Die dritte Welt war in blau und grün gehalten und wurde von einer Akrobatin begleitet. Als Cocktail wurde etwas mit Gin serviert, die weiteren Zutaten waren mir nicht klar. Für mich war der Drink etwas zu sauer, aber die anderen Gäste fanden ihn wohl am besten. Und ich bin mir fast sicher, dass die Akrobatin mein Geschmacksempfinden nicht beeinflusst hat! Insgesamt war es aber eine nette Erfahrung.

Der dritte Cocktail

Danach mussten wir noch etwas essen und sind in die Artisan's Foodhall auf Deck 9 gegangen. Dort haben wir das angeregte Gespräch mit unseren Tischnachbarn vom Cocktail-Event fortgesetzt. Und bevor alles weg war, haben wir noch etwas von dem großartig aufgebauten Osterschokoladenbuffet genascht.

Oster-Schokoladen-Buffet

Heute früh war es bei meinen Runden auf Deck schon fast etwas kühl, nur ca. 18 Grad. Man merkt, dass wir die Tropen schon verlassen haben. Am Nachmittag habe ich zunächst den letzten Vortrag des Astronomen John Maclean besucht. Er berichtete über die Gefahr, dass die Erde von einem Asteroiden getroffen werden könnte. In der Tat werden bekannte erdnahe Objekte laufend gescannt und die Gefahr nach der Turiner Skala eingestuft. Richtig verlassen kann man sich auf dieses Scannen allerdings nicht, wie der Meteorit von Tscheljabinsk aus dem Jahre 2013 zeigt. Der kam aus der Richtung der Sonne und war deshalb nicht vorab zu entdecken.

Um 14 Uhr gab es dann ein Konzert des Tenors Russell Watson. Er trat bereits gestern Abend im Royal Theatre auf - aber da waren wir ja bei den Cocktails. Er begann mit "O sole mio" und danach folgten eine Arie aus Nabucco und viele bekannte moderne Songs. Bei "Volare" mussten wir mitsingen und zwar zunächst rechte Hälfte gegen linke Hälfte des Publikums. Ich war in der Siegerhälfte, unglaublich! Anschließend haben wir dann die Dezibelwerte vom Konzert gestern Abend gemeinsam überboten.

Nur stehend konnten wir laut genug mitsingen!

Schließlich bin ich noch zur Frage- und Antwortrunde der Vortragenden gegangen. Unter anderem wurden sie gefragt, was die bewegendsten Interaktionen mit dem Publikum in ihrer Laufbahn als Cruise Speaker gewesen seien. Die Geschichte der Karikaturistin Helen Pointer fand ich dabei ganz besonders: Sie suchte jemanden aus dem Publikum und hatte Blickkontakt mit einer Dame, die sie dann auf die Bühne bat. Komisches Getuschel bei den Zuschauern. Helen Pointer fragte die Dame, was ihr schönstes Erlebnis auf dieser Kreuzfahrt gewesen sei. Antwort: "Dass ich weitergemacht habe!" Weiteres Getuschel. Helen, die gar nicht wusste, was los war, fragte nach: "Womit weitergemacht?" Es stellte sich heraus, dass ihr Ehemann auf der Reise verstorben war. Und die Dame erklärte dann, dass sie so lange auf die Reise gespart hätten und dass ihr Mann gewollt hätte, dass sie weitermachte. Ein paar Tage später kam die Dame zu Helen und bedankte sich. Erst nachdem sie öffentlich darüber gesprochen hatte, haben die anderen Gäste ihre Sprachlosigkeit überwunden und sie wieder angesprochen.

Anmerkungen von Dörte:

Wahrscheinlich wird dieser Abend eingehen in Jans Anekdotensammlung von „die einzigen Male, an denen ich Kaffee getrunken habe“. (Knast, Vorstellungsgespräch, medizinische Untersuchung und jetzt noch Cocktails mit Dörte)

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